Gross & Associés
Zum Bewerten auf einen Stern tippen
Was die Kanzlei ist
Gross & Associés ist eine Anwaltskanzlei in Lausanne, gegründet 1972. Die Kanzlei richtet sich an Unternehmen, öffentliche Körperschaften und anspruchsvolle Privatpersonen. Das Haus positioniert sich als generalistische Kanzlei, die in den meisten Rechtsgebieten tätig ist, legt dabei aber ausdrücklich Wert auf die Spezialisierung jedes einzelnen Mitglieds. Das bedeutet: es geht nicht um breiten Vollservice ohne Tiefe, sondern darum, dass jede Anwältin und jeder Anwalt sich in bestimmten Gebieten vertiefte Erfahrung aufgebaut hat, während das Haus als Ganzes fast das gesamte Wirtschaftsrecht abdeckt. Die Website nennt elf Avocats namentlich, "de formations et d'origines diverses" (von unterschiedlichen Ausbildungen und Herkünften), was auf ein Team mit verschiedenen fachlichen und akademischen Hintergründen hindeutet. Sitz der Kanzlei ist die Avenue des Mousquines in Lausanne.
Wofür man die Kanzlei beizieht
Gross & Associés begleitet Unternehmen bei Fragen rund um Vermögen und Geschäftsbetrieb: bei der Organisation von Vertragsbeziehungen, bei der Vertretung vor Gericht und gegenüber Behörden, und bei der Lösung von Konflikten. Wer einen Kaufvertrag verhandeln, einen Handelspartner wegen Zahlungsausfalls verklagen oder eine Behördenentscheidung anfechten muss, findet hier eine Kanzlei, die genau das als ihr Kerngeschäft beschreibt.
Im Wirtschaftsrecht deckt die Website mehrere Teilgebiete ab: Droit du travail (Arbeitsrecht), Droit du bail (Mietrecht), Droit des sociétés (Gesellschaftsrecht, inklusive Fusionen und Übernahmen), Droit fiscal (Steuerrecht), Droit bancaire et financier (Bank- und Finanzrecht), Poursuites, faillites et sursis concordataire (Betreibung, Konkurs und Nachlassstundung) sowie Droit pénal économique (Wirtschaftsstrafrecht). Dazu kommen Contrats (Vertragsrecht im engeren Sinn) und Marchés publics (öffentliches Beschaffungswesen), ein Gebiet, das auf der Website eigens als Domaine geführt wird und typischerweise Unternehmen betrifft, die sich um öffentliche Aufträge bewerben oder eine Zuschlagsentscheidung anfechten wollen. Auch Responsabilité civile et assurances (Haftpflicht- und Versicherungsrecht) gehört zum Angebot.
Privatpersonen werden beraten in Successions (Erbrecht), Droit matrimonial (Familien- und Scheidungsrecht) und Immobilier, construction et aménagement du territoire (Immobilien-, Bau- und Planungsrecht). Wer also eine Erbschaft regeln, sich scheiden lassen oder ein Bauprojekt rechtlich absichern muss, wird in derselben Kanzlei bedient wie ein Unternehmen mit einer Handelsstreitigkeit. Das ist typisch für eine etablierte Westschweizer Kanzlei, die sowohl Privatklientel als auch Geschäftskunden bedient, statt sich auf ein einziges Segment zu beschränken.
Die Website veröffentlicht zudem laufend juristische Beiträge, die zeigen, in welchen Gebieten die Kanzlei tatsächlich publiziert und kommentiert, nicht nur gelistet ist. Daniel Guignard hat etwa ein Bundesgerichtsurteil zum Mietzins kommentiert (Verfahren 4A_554/2019, entschieden im Oktober 2020), in dem das Bundesgericht die Kriterien für einen missbräuchlichen Mietzins in Bezug auf die Eigenkapitalrendite des Vermieters einschränkte. Derselbe Anwalt schrieb auch über die Revision des Obligationenrechts im Werkvertrags- und Immobilienkaufrecht. Das sind konkrete Belege für Tätigkeit im Mietrecht und im Immobilienrecht, über die reine Nennung des Fachgebiets hinaus.
Die Belege von der Seite
Die Website zeigt elf namentlich genannte Avocats: François Logoz, Alexandre Guyaz, Daniel Guignard, Adrian Schneider, Laurence Cornu, Valentine Wirthner-Badan, Wendy Lam, Angélique Röthlisberger, Gabrielle Naudi, Carla Briquez und Olivia Dupertuis-dit-Neveu. Mehrere sind als "Avocat Spécialiste FSA" ausgewiesen, also als Spezialistinnen und Spezialisten der Fédération Suisse des Avocats. Die Seite schreibt, das Haus habe "sich von Anfang an stark in dieses Projekt investiert", das die FSA 2002 einführte, und "mehrere Mitglieder" seien "besonders aktiv in der Ausbildung der neuen romanischen Spezialisten". Das deutet auf eine gewisse Führungsrolle beim Fachanwaltstitel hin, über die reine Titelträgerschaft hinaus.
Im Mai 2021 berichtete die Kanzlei, "Le Temps" habe in seiner jährlichen Umfrage Gross & Associés erneut "parmi les études suisses les plus recommandées en matière de responsabilité civile" genannt, also unter den in der Schweiz meistempfohlenen Kanzleien im Haftpflichtrecht. Das ist eine externe, unabhängige Einordnung und keine Eigenwerbung der Kanzlei.
Die Rechtsgebiete werden auf der Startseite nur benannt, nicht im Detail beschrieben: "Droit du travail" heisst Arbeitsrecht, doch die Seite führt an dieser Stelle nicht aus, ob das Kündigungen, Lohnstreitigkeiten oder Vertragsverhandlungen umfasst. Die Website formuliert dafür ihre Arbeitsweise: "adaptés aux besoins et aux objectifs du client" (angepasst an Bedürfnisse und Ziele des Klienten) und "équilibre entre les buts visés et les moyens à mettre en œuvre" (Ausgleich zwischen angestrebten Zielen und eingesetzten Mitteln). Das liest sich als Zusage, keine unnötigen Kosten zu verursachen, ohne dass eine Zahl dazu genannt wird.
Die Seite sagt, die Kanzlei verfüge über "plusieurs avocats" (mehrere Anwältinnen und Anwälte), nennt aber keine Gesamtzahl. Elf Namen auf der Website bedeuten nicht zwingend, dass es nicht mehr gibt: Anwaltsassistierende, Stagiaires und weiteres Personal werden unter "Carrières" separat angesprochen, aber nicht beziffert. Adresse ist 20, Avenue des Mousquines, Case Postale 805, CH-1001 Lausanne, Telefon +41 21 320 22 65, beide Angaben öffentlich zugänglich.
Was die Seite offenlässt
Die Kanzlei veröffentlicht keine konkreten Stundensätze. Es gibt eine eigene Seite "Politique d'honoraires" (Gebührenrichtlinie), die von "coût raisonnable des services de qualité supérieure" (angemessenen Kosten für hochwertige Dienstleistungen) spricht, ohne Zahlen zu nennen. "Provisions et facturation" (Kostenvorschuss und Rechnungsstellung) ist als eigenes Thema aufgeführt, aber inhaltlich nicht ausgeführt. Ein Mandant muss die Konditionen erfragen.
Das Gründungsjahr wird genannt (1972), aber nicht, wer die Kanzlei gegründet hat oder wie sie seither gewachsen ist. Es wird kein Fusionsjahr, keine Übernahme und kein Büro ausserhalb Lausannes erwähnt. Die Teamgrösse bleibt offen: elf genannte Avocats, aber keine Gesamtzahl der Mitarbeitenden. Welches Rechtsgebiet die meisten Ressourcen bindet, wird nicht gesagt, auch nicht, wer welche Sprache neben Französisch tatsächlich als Arbeitssprache nutzt, obwohl die Website FR, DE und EN als Menüsprachen anbietet. Wie ein Mandat konkret beginnt, ob es ein Erstgespräch, ein Kostenvoranschlag oder eine direkte Kontaktaufnahme per Formular ist, wird auf der Startseite nicht beschrieben. Auch zu Erfolgsquoten, Fallzahlen oder Referenzmandaten, ausser den genannten Publikationen, schweigt die Seite.
Für wen sie passt und für wen nicht
Gross & Associés passt für Unternehmen und Privatpersonen in der Genferseeregion, die eine Kanzlei mit breitem Rechtsgebiet-Spektrum und dokumentierter Fachtiefe suchen, etwa im Mietrecht, im Haftpflichtrecht oder im Erbrecht. Wer eine Waadtländer Adresse schätzt, findet hier eine Kanzlei, die vor Ort verankert ist statt nur mit einer Zweigstelle vertreten. Die Betonung auf "angemessene Kosten" liest sich nicht als Premium-Positionierung, sondern als Zusage einer sachlichen, auf den Fall zugeschnittenen Beratung. Die Rolle in der FSA-Fachanwaltsausbildung spricht für Kontinuität und ein aktives Netzwerk in der Westschweizer Anwaltschaft.
Sie passt weniger für ein Unternehmen, das eine international tätige Kanzlei mit Büros in mehreren Ländern braucht, oder das sehr grosse grenzüberschreitende Transaktionen abwickelt. Auch wer im hochspezialisierten Technologie- oder Kapitalmarktrecht ein grosses Team erwartet, dürfte hier unterversorgt sein. Für ein reines Erstmandat mit sehr kleinem Budget, etwa eine einfache Vertragsprüfung, kann eine kleinere, günstigere Kanzlei die bessere Wahl sein, auch wenn die Website dazu keine eigene Aussage macht.